Komet
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Die Zeit verging. Der Winter begann und es wurde nachts empfindlich kalt. Damit Du nicht frierst, haben wir Dir auf dem warmen Schacht über dem Heizungskeller, direkt vor unserer Küchentür ein Häuschen aus Styropor und vielen Decken gebaut. Mein Vater war anfangs sehr reserviert Dir gegenüber und erlaubte nicht, Dich über Nacht zu uns in die Wohnung zu holen. Du trautest Dich aber ohnehin noch nicht hinein, jedenfalls nicht, so lange man die Tür, die Dir die Flucht ermöglichte, schließen wollte.
 
 

Das hatte zur Folge, dass wir auch im tiefsten Winter morgens beim Frühstück mit offener Tür in der Küche saßen, denn Du solltest Dich ja wohl fühlen. Wir froren erbärmlich und beteten das Frühjahr herbei, doch was tat man nicht alles für Dich, den Kater, der uns allen sehr schnell wahnsinnig ans Herz gewachsen war!
Sogar mein Vater, der Dir anfangs so skeptisch gegenüber gestanden hatte, schmuste nun heimlich mit

Dir und lockte Dich in die Wohnung, wenn er sich von uns unbeobachtet glaubte. Zwischen Euch beiden entwickelte sich mit der Zeit ganz innige und besondere Beziehung. Du hast meinen Vater sehr geliebt und ihm ging es mit Dir genau so!

Er war es, der es sich keinen Morgen nehmen ließ, als erster aufzustehen, um Dich zu füttern und eine Weile mit Dir allein zu sein und „Männergespräche“ mit Dir zu führen. Bei meiner Mutter und mir hast Du sehr gerne im Bett gekuschelt und es war ein wunderbares Gefühl tiefster Geborgenheit, wenn Du nachts zu mir unter die Bettdecke geschlüpft kamst und Dich entlang meinem Körper wie eine lange „bepelzte Wurst“ kuscheltest. Du warst immer für mich da und warst lange Jahre mein treuester Freund.
Dir konnte ich alles erzählen, denn Du warst verständnisvoll und wusstest mich immer zu trösten, wenn es mir schlecht ging. Das war zu der Zeit recht häufig so, weshalb ich Dich ganz besonders stark brauchte.

 
 
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